Wednesday, March 12, 2008

Erste Ableitung eines Briefs aus der Vergangenheit

—to M.B.

Schnell festgehalten, bevor es verfliegt: Die Unzufriedenheit darüber, wie viel immer verfliegt, weil ich es nicht festhalte. Nicht festhalten kann. So viele Impulse, Erkenntnisse, Klarheiten, Hellsichten, die so unbefriedigend schnell wieder im Nebel meines Daseins abtauchen. Deshalb auch hier und heute nur dieses Abbild davon, die erste Ableitung quasi, das, was davon bleibt. “In mir bleibt nur Deine Spur”, deutscher Schlagerkitsch, Schlagertext. Halt, Kitsch kann es nicht sein, wenn meine Definition davon als die Abwesenheit echter Gefühle wahr sein sollte. In mir jedenfalls bleiben nur Spuren, nur Ableitungen, nur Abbilder. Abbilder von Gedanken, Gefühlen, Plänen, Erkenntnissen, Begegnungen. Everything occurs like a blur.

Dies alles schnell hingestrichelt, wie um der Flüchtigkeit einen adäquaten äußeren Rahmen zu verleihen; bei Keith Jarrett, Das Wohltemperierte Klavier (Buch 1), Mittwochnachmittag, draußen in Camden etwa 14 Grad, unbestimmte Witterung, so unbestimmt wie ich mit den Residuen einer nunmehr dreiwöchigen Erkältungs- und Abgeschlagenheitsorgie, dem so irritierenden, kafkaesken Albtraum von Glamorama immer noch zur Lektüre, und einem Loch im Leib.



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