Monday, April 06, 2009

Leser fragen, Leser antworten (I): Volk, apropos Hegel und apropos Frankfurt

Rainer Erlinger and Reich-Ranicki my ass, dachte sich wohl der Redaktionspraktiant und schlug vor, man solle gar nicht erst versuchen, auf all die Leseranfragen selbst einzugehen, sondern lieber die bizarrsten von Ihnen an die Leser der WALL OF TIME zurückspielen und auf die so oft beschworene Intelligenz der Emergenz setzen, auf dass Schlaues zu Wort werde. Wohlan.
Den Beginn macht unser treuer Leser
Lars Meyer, MSc, Linguist, der auf eine besonders schwierige Leserfrage antwortet.

Q: Liebe WALL OF TIME, was hat es eigentlich mit dem Wort Volk auf sich? Yours truly, Eugène Ionesco (und seine Nashörner)

Lars Meyer: Eine berufsmäßig notwendige Frequenzuntersuchung in sowohl nationaler als auch internationaler deutschsprachiger Datenbank findet Volk unter den ersten einhundert Substantiven, bei einer Datenbankgröße von 6 Millionen Tokens, respektive. Schmunzelnd ich, als Grundlagenforscher und somit letzte Ethik–, Ordnungs– und Bewertungsinstanz, im Kant’schen Reich der Zwecke fein raus.

Erst einmal wat-dat-allens-gift gedünkt der niemals über seine Methode hinaus geratene Korpuslinguist, faschistoid der selbstgerechte Diskurs­wissenschaftler, egal dann wieder ich, weil ja in Korridoren agierend und—“Skeleton in the Cupboard”—Fortschrittsoptimist, die Frankfurter Allgemeine Zeitung unkenruft vom Ende, dem finanziellen, des Berufsnazitums, als wäre das ein Zeichen gesteigerter Volksmor­ali­tät, vermittelt wie der etwas ältere G.W.F. Hegel, um einhundertachtzig Grad, wohl– und doch wieder unbemerkt.

Zum einen kommt der “Weltgeist [zwar manchmal, L.M.] zu Pferde”, aber immer zyklisch und in zeitlich a priori unbestimmtem Intervall, direktional genauso unterspezifiziert. Ich bin erinnert an die Kollegen um T.W. Adorno, die noch die Kontemplation vor das realpolitische Handeln setzen, das dann zu spät folgte, nur als Antithese, aber es hatte ja auch niemand etwas von kritischer Praxis gesagt. Der Zyklus wälzt unverändert, aber ich muss die zyklische Zeitigung und Phäno­meno­lo­gie—Diskurs­phäno­meno­lo­gie—nicht nur der Medienwelt, sondern auch unserer eigenen Kritik anerkennen, und entdecken, dass wir auf der Sinusschwingung Weltgeistwelle surfen, allenfalls Nebeldichte und Sichtweite ein wenig durch unser selbstaufklärerisches Handeln steuernd. Die Entkoppelung von zyklischem Diskurs und zyklischer Lebenswirklichkeit. “Die Schriftsteller, die ein verstiegenes Bild des kämpfenden Arbeiters schufen, und verzagten, wenn sie dem wirklichen Arbeiter begegneten, mit seiner Schwäche und seiner Stärke, seiner Kleinheit und seiner Größe.”—Toller, der sich spät–früh, aber wenigstens, schämt.

Ob nun Selbstgerechtigkeit der schlauen Menschen oder Selbstgerechtigkeit der Idioten, wen eigentlich noch in Schutz nehmen, woher und wozu eigentlich diese Wurst-und-Käse-Attitüde nehmen wenn nicht stehlen, in Ermangelung besseren Wissens. Kopfhörer und Kontemplation, und niemals ohne Liebe aus dem Haus gehen.


Apologies to our readers who prefer our English posts.

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