Tuesday, August 25, 2009

Neues aus der Hirnforschung

Es wird früh dunkel jetzt. Die Rücklichter der Fahrzeuge, die in der Stalinallee auf ihr Grün warten, sind für das kurzsichtige Auge bereits zu Glühwürmchen geworden; Feuerfliegen, wie sie das immer unerwartet poetische Englisch zu nennen weiss. Das rhythmische Knattern der Elektrischen, die für die Kurve behutsam die Fahrt verringert, hat genau das richtige Tempo jetzt und ich will am liebsten hinübergehen und das Ohr an die Schienen legen.

Es wird früh dunkel jetzt. Gerade erst spazierte ich über die große Wiese hinter den wirklich traurigen Häuserzeilen eines längst verblichenen Traumes; jeden Tag ist diese Wiese morgens Türwächter eines Abschieds und abends das Willkommenstor der guten Welt. Heute jedenfalls kamen die Raben wieder, und wie fast jeden Tag fragte ich mich mein Koan, Können Raben weiden?.

Es wird früh dunkel jetzt. Ein Rabe flog langsam, am Rande des Strömungsabrisses, eine Michael Ballhaus zur Ehre gereichende Ellipse um mich und landete einige Meter rechts von mir, um mit seinen Rabenkameraden noch etwas zu Abend zu äsen. Die blauschwarze Zeichnung seiner Federn war jetzt, beim Landungsanflug über dieser verschatteten Wiese, sehr schön anzuschauen. Die Spannweite seiner Flügel ließ mich staunen, und etwas in mir zog sich zusammen und erzeugte diesen Unterdruck, der das Glück in den Poren dazwischen umgehend dehnte.

Es wird früh dunkel jetzt, und das Glück tritt unbehelligt hervor.



Apologies to our readers who prefer our English posts.

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