Wednesday, September 17, 2008

Konstrukte

Jeden Morgen gehe ich an einer riesigen Baustelle vorbei. Sie müssen wissen, dass es nicht schwer ist, in dieser Stadt auf riesige Baustellen zu stoßen, denn allen Unkenrufen über das nahende Ende des deutschen Ostens zum Trotz wird hier Geld im großen Stil begraben. Vielleicht werden Kulturforschende in einigen hunderten Jahren dies als großen Tanz auf dem verglühenden Vulkan begreifen, “damals als die Menschen ihr wertlos gewordenes Geld ins Erdreich steckten”. Bis jetzt aber ist es mir als Passant und Flaneur vor allem ein weiteres großartiges Zeugnis, wie viel man mit seiner Zeit anfangen kann. Könnte.

Während ein durchschnittlicher Wissenschaftler zum Beispiel versucht, sich ein ausgedachtes Experiment durchführbar zu machen, in dem er Testmessungen plant, Versuchsmaterial entwirft und aufnimmt und editiert, bevor er vermeintliche Erkenntnisse aus seinem schweren Gerät zaubern kann, und ganz generell sich durch seine Arbeit müht—in dieser Zeit, oder eher sogar etwas schneller, ziehen ein paar Männer mit nicht minder schwerem Gerät hurtig, aber nicht hastig einen Boden für ein Parkhaus ein. Wenn Sie das nächste Mal aufmerksam hinschauen, ist das Parkhaus auch praktisch schon bezugsfertig—während Ihre nächste Publikation von einem eifrigen Kollegen irgendwo über dem großen Teich vielleicht gerade ein weiteres Mal für nicht ausreichend befunden wird, und Sie sich innerlich Bill Murray mit seinem Radiowecker sehr, sehr nah fühlen.

Ein Haus bauen, einen Baum pflanzen.



Apologies to our readers who prefer our English posts.

No comments:

Post a comment

Feel free to etch a postcard on the wall of time: