Saturday, November 29, 2008

Singularity

I hope that nobody will come and visit the Wall of Time, as I type this, in the last minutes of November 29, 2008. I hope so, because statistics indicate that today would then have been the first day (since Wall of Time came to new life in February earlier this year) on which nobody has visited. Now, this is not a bad thing. This is rather a very good thing, finally, something interesting is happening in the overwhelming amounts of senseless statistics a simple and irrelevant literary web-based notebook like this produces, every day. Normally, that is. Today, a big Zero lights up inmidst the steady flow of 28, 37, 106, or 49 visitors we usually witness each and every day, 24/7.

Please, come in, have a look around; but thanks honestly for giving the internet a real sense of space and limits today. A singularity in time and space, a zero with a smile. Speak soon, dear visitors, here at the Wall of Time.

Dieser Beitrag ist auf Englisch, doch einiges an der Zeitmauer gibt es auch in der hervorragenden Kultur- und Verwaltungssprache Deutsch zu lesen.

Saturday, November 22, 2008

Walking in D.C.

Problemlos reiste ich ein in das neue Land. Nicht einmal meine Fingerabdrücke wurden genommen; es lag bestimmt an kaputter Gerätschaft, aber mir war, als sei der Geist Obamas bereits in operation. Bereits wenige Stunden nach der Ankunft fand ich mich an der Ecke 7th & F wieder, wo ich mit dem Kollegen und Neurolinguisten Walt Whitman verabredet war. Die lose Bekanntschaft war schnell aufgefrischt, und er schwärmte mir vor, wie alles blühe hier in D.C., mitten im Herbst, in den wenigen Tagen seit der Wahl. Whitman erwies sich als bestens informiert: Das neue Killers-Album bezeichnete er als healthily camp—die Qualität der Verse in seinem Verdikt wohl gnädig aussparend—, zahlreiche Werke in der neuen Georgetown Gallery of Modest Art hatten es ihm offensichtlich angetan, ich konnte mir unmöglich alles merken (eine neue Videoarbeit von Antje Majewski müsse ich mir unbedingt anschauen), und bei einem iced cheese cake im Bistro “Poste” im Hotel Monaco gegenüber überzeugte er mich, dass der sehr ehrbare Rizzolatti selbst nicht haftbar zu machen sei für die Mirror Neuron-Pest in den Empathie–, Erziehungs– und Ratgeber-Schundbüchern. Ich war überwältigt von der Energie des alten Mannes: Whitman hatte in den späten 1960ern hartnäckig versucht, eine aus Heidegger abgeleitete Chomsky-Interpretation im Affenmodell zu überprüfen, war damit aber stets bei Geldgebern und den wichtigen Zeitschriften durchgefallen. Heute—und dafür wird er ebenso bewundert wie belächelt—arbeitet er mit einem ebenfalls sehr eigenwilligen kombinierten EEG– und MRT-Setup daran, Körperschwingungen, wie sie beim Vokalisieren entstehen, in elektrischen Strom zu wandeln und mithilfe einer Armada von schlauen Physik– und Elektrotechnik-Studenten in einem mehr oder weniger klassischen EEG-Feedback ins Hirn zurückzuspeisen. Erfrischt und ermutigt von so viel liebenswertem Wahnsinn in unserer Branche schlenderte ich mit ihm die Straße hinauf zum Empfang im Goethe-Institut, wo Whitman von meinen wie seinen Landsleuten emphatisch begrüsst wurde. Eine gute, neue Zeit.

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Tuesday, November 18, 2008

Vorwärtsrechnung

—Washington, D.C., a day in yesterday’s future

Ich sitze an der Zeitmauer. Ich komme hierher, wenn sich die kleinen Dinge des Alltags wieder zu einem großen Rätsel aufgetürmt haben. Dann, so heute, sitze ich hier und lasse die Beine baumeln über dem noch Unaussprechlichen.

Ich sitze an der Zeitmauer, mit einer Straßenkarte des schwäbischen Waldes aus den späten 1960er Jahren in der Hand. Ich sehe meine Eltern mit einem sogenannten Käfer umherfahren, ich bin ein Punkt ohne Ausdehnung im noch zu spinnenden Gespinst zweier Menschen.

Ich sitze an der Zeitmauer, und mich schwindelt, wie meist an Abgründen. Mich schwindelt vor der Höhe, und vor der Strecke. Mich schwindelt bei der Idee, dort ins Unaussprechliche, Unplanbare vorzufühlen, hinauszuspüren. Morgen schon wird die Mauer sich selbst einige Meter nach vorn in eben jenes Unaussprechliche hinein umzemetiert haben, und wieder werden die Beine baumeln und wird die Seele spannen.

Ich sitze an der Zeitmauer, jeden Tag fast, und schaue hinaus, und ich danke Ihnen, dass Sie manchmal zurückschauen, von dort draussen. Was sehen Sie, wenn Sie mir zuschauen, wie ich da sitze, anbrande an die Grenzen meinerselbst?


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Sunday, November 16, 2008

The lab has opened

Just an editorial side note from Washington, DC: There’s more to life than science, you know, but not much more.

Monday, November 10, 2008

Tuesday, November 04, 2008

Heute sind wir alle Amerikaner: Ingo Niermanns JOIN THE U.S. ARMY

Am vergangenen Freitag eröffnete der Autor und Künstler Ingo Niermann in der Berliner Galerie ZERN seine Ausstellung JOIN THE U.S. ARMY, passend zu den heute bevorstehenden Umstürzen im Heimatland dieser großen Militärmacht.

Ich war auch anwesend, geplagt von widerstrebenden Eindrücken – doch am Schluss gewann das Leuchten in meinen Augen, nach der wiederholten gedanklichen Rückkehr zur Kindheit in den frühen 1980er Jahren, als während des NATO-Doppelbeschlusses es meinen Eltern leider nicht geboten schien, ihrem Kind ein ordentliches Gewehr auszusägen, und deshalb nur Holz-Tomahawks (die Äxte, nicht die Raketen) zur Verfügung standen.

WALL OF TIME konnte in den unmittelbaren Turbulenzen nach der Vernissage mit dem deutschen Künstler Ingo Niermann ein kurzes Gespräch führen.

Lieber Ingo Niermann, als wir bei WALL OF TIME von Ihrer Ausstellung JOIN THE U.S. ARMY hörten, zögerten wir keine Sekunde, Ihrem Ruf Folge zu leisten. Und die Eröffnung geriet ja auch zum veritablen Spektakel, von den gestrengen Recruiting Officers der Galerie ZERN über die wunderschönen M-16 Holzgewehre – wer hat diese eigentlich ausgesägt?

…Ein mir nicht bekannter, kundiger Schreiner…

– bis zu Ihrem Drill Instructor Thoralf. Ein sehr guter Name, im Übrigen. Wieso eine Ausstellung, Ihre erste Einzel-Ausstellung, zur US-Armee? Hat diese nicht ein sehr schlechtes Image?

Keine andere Armee ist auch nur halb so mächtig.

Im Begleittext zur Ausstellung wird Bezug genommen auf den Cargo-Kult der auf den Neuen Hebriden Verbreitung erfuhr, eine – bitte korrigieren Sie mich – Form der kultischen Verehrung von US-Cargo-Gütern, die die Verheerungen des Pazifikkriegs an diese Inseln spülten. Ist es tatsächlich so, dass dort bis heute der US-Armee wie einer Gottheit gehuldigt wird? Sie waren 2004 einmal dort, stimmt das?

Cargo-Kulte gibt es auf vielen Südsee-Inseln. Die Güter wurden während des Zweiten Weltkriegs von gegen Japan kämpfenden GIs auf die Inseln gebracht. Auf der Insel Tanna im Inselstaat Vanuatu (ehemals Neue Hebriden) wird der eschatologischen Gottheit John Frum einmal jährlich mit einer eigenen US-Armee gedacht. Christian Kracht und ich hatten im Februar 2004 die Ehre, diesem Fest beizuwohnen, und erfuhren, dass auf der Insel, im Krater des Mount Yasur, auch der Geist von Amerika Zuflucht gefunden hat. Der Geist von Amerika – so auch der Titel eines gemeinsam mit Christian Kracht verfassten Aufsatzes, abgedruckt in Krachts “New Wave” (Köln, 2006) und dem von Chus Martínez herausgegebenen Katalog “Pensée Sauvage” (Frankfurt/M., 2007).

Mir fiel auf, dass sehr viele Un­ge­dien­te und Frau­en Ihrem Ruf Folge leistet­en und sofort und be­reit­wil­lig der U.S. ARMY be­itrat­en. Hatten Sie das geahnt, waren Sie sich dieses Zuspruchs gar sicher im Vorfeld? Und warum wollen nun auf einmal alle der US-Armee angehören? Was ist das Geheimnis?

Die schöne Flagge, die schönen Gewehre und die Macht.

Ein integraler Bestandteil der Ausstellung schien mir neben den Holzgewehren und dem Rekrutierungsprozess selbst die Feilbietung und Aufnahme von frei verfügbarem, hochprozentigem Alkohol zu sein. Ich selbst fürchtete kurzzeitig, mittels des Alkohols vielleicht “shanghait” zu werden und mich am nächsten Morgen auf einem Flugzeugträger der dann leider echten U.S. ARMY wiederzufinden. Dies passierte nicht, aber: Weshalb der Alkohol, der in der echten U.S. ARMY wie in jeder Armee sicher streng verboten und doch Teil der Kultur ist?

Alkohol ist eine klassische Rekrutierungsdroge, die sich – wie ich von an dem Abend anwesenden US-Amerikanern erfuhr – auch heute noch die US-Armee während des Spring Breaks zunutze macht.

Commander Niermann, aufmerksame Besucher Ihrer Ausstellung konnten Zeuge werden, wie Sie wiederholt davon sprachen, dies sei erst der Anfang gewesen, und es gehe “immer weiter”. Wohin bitte geht es immer weiter mit der Niermannschen U.S. ARMY?

Geplant sind weitere Rekrutierungen sowieso Ausbildungscamps mit den bereits Rekrutierten.

Oh. Das betrifft auch mich. — Heute wird gewählt, Sie feiern in Ihrer Ausstellung auch eine große Wahlparty unter dem Motto “My Country, right or wrong”. Sehen Sie direkte Implikationen für die U.S. ARMY durch den Ausgang der Wahl?

Nein.

Vielen Dank für das Gespräch!



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Friday, October 31, 2008

Moderne: Umnutzung

«Between 1940 and 1945 more than thirteen hundred human beings were killed within the confines of a building in Dresden’s comfortable southern suburbs (known as the Südvorstadt). The building, the Justizgebäude, housed the central courts and central remand prison for the whole of Saxony. At the time it was built, in 1907, it was considered and advanced, model institution—with the offices of the clerks and prosecutors, the courtrooms, even the cells where the accused were held awaiting trial, seen as spacious, light and airy. The facilities, even down to a prison library and the visiting room, which separated prisoners from visitors by a wide table rather than a set of bars, were absolutely modern.

Despite its potentially solemn, even grim purpose, the Justice Building, which vaguely resembled the tastefully fortified residence of a middling-ranked princely family, was reckoned by a contemporary critic to be ‘not whole foreign to a sense of benevolent humanity’.»


—Taylor, F. (2005), Dresden, Bloomsbury Paperbacks, p. 182



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Wednesday, October 29, 2008

Strahlt ein toter Wind noch? Jünger, abgetippt.

—“So schreibe ich jeden Tag, auch wenn ich selbst nichts schreiben mag.”

Man kann sich den Schriften eines Vielschreibers, eines täglich Schreibenden, auf unterschiedliche Arten nähern. Lesen ist meist ein Teil davon, seltener das Abschreiben. Ein Mensch mit dem hervorragend geeigneten Pseudonym Mistral («The Mistral in France is a fresh or cold, often violent, and usually dry wind, blowing throughout the year but is most frequent in winter and spring») hat nun beschlossen, sich dem sperrigen Vielschreiber Ernst Jünger und dessen (von vielen als Hauptwerk verstandenen) “Strahlungen”, den Tagebüchern von 1939 bis 1948, zu nähern.

Was tut Mistral? In einem anderen Tagebuch, nicht jenem Jüngers, sondern jenem des Schriftstellers Pippin Wigglesworth-Weider, lese ich:

“Dann tippe ich sie ab. Zwei bis drei Einträge pro Tag. Es ist Tipp- und Schauarbeit. Hin und zurück mit den Augen, weil die Hände noch nicht ganz selbständig auf die Tasten wirken. Das Ziel der Übung, der genaue Blick auf die Worte und das Gehör für ihr Gewicht im Satz, bewusst und unbewusst das Gute zu verinnerlichen. Zu jedem abgetippten Eintrag füge ich ein Bild hinzu, die Auswahl des passenden Motivs ist der Zucker für den Esel. Dann lade ich die Arbeit auf den Weblog: Strahlungen 2010.”

Mistral oder Pippin oder eine Figur, die sie beide bilden, irgendwo zwischen ihren eigenen Vorlieben, Text­begegnungen mit Jünger und einer berührenden Formstrenge, tippen für uns (vielleicht bis 2010, was ich nicht recht glaube, und was auch egal ist) also die “Strahl­ungen” ab, und verleihen Einträgen wie vom 18. April 1939, in Kirchhorst, neues Leben. Man hätte einscannen, horten, selektieren, kopieren, einfügen, apfel v, können. Und vielleicht macht es ein schlauer Mistral auch genau so, und spielt mit uns—dahingestellt.

Was uns geschenkt wird, ist ein web-basiertes Tagebuch, das nichts anderes will, als die fast 70 Jahre alten Gedanken und Sprachspiele eines anderen wieder zum Atmen zu bringen. Keine albernen Youtube-Links, aber auch kein Party-Nacherzählen, oder prätentiöse Befindlichkeit, wie hier manchesmal. Nur die Strahlungen.


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Sunday, October 26, 2008

Leipzig, at last

Nach Monaten reich an Wirrungen ist es einigen Leipziger Kultur­schaf­fen­den vergangenen Samstag doch noch gelungen, den Autor Christian Kracht in den Osten zu locken. Doch statt durch große Buchhandlungen oder die einschlägigen literarischen Zirkel dieser Stadt erfuhr ich erst am späten Nachmittag durch das Murdochsche Periodikum Myspace.com von einer ad hoc Lesung des enigmatischen Schriftstellers—vielleicht war es ihm selbst unheimlich geworden nach all dem Lob im Mainstream, also wieder Untergrund: “Galerie Bothe & Rillert 20.00 h”. Ich musste natürlich hin, und suchte eine ganze Weile nach dieser Hinterzimmer-Galerie, die vermutlich nur für diesen Abend nach den Großmüttern des effeminierten Galeristen so benannt wurde. Wir standen ab halb neun unschlüssig in einer unrenovierten Wohnung aus der Gründerzeit und schauten verstört unter den fünfundzwanzig, dreißig Besuchern umher: Hipster, Studentinnen und einige verstreute Corps-Geister mit Barbourjacke und Koppelschloß, die Faserland wohl etwas falsch verstanden haben.

Kracht, leise und leicht den kleinen Galerieraum durchmessend, erschien punkt neun in Begleitung seiner Gattin Frauke Finsterwalder, einer Art weiblicher Wiedergängerin seinerselbst. Ihm schien das Ambiente auch etwas unheimlich zu sein, aber er nickte freundlich in die kleine Runde, die nun raunend die Monobloc-Stühle besetzte. Es begann stockend; ein erwartet unlustiger Wissenschaftler im “Bingo Handjob”-T-Shirt versuchte, im mittlerweile legendär zu nennenden Volker-Weidermann-Stil in das Krachtsche Schaffen einzuführen, was dem Abend gleich zu Beginn eine Wendung ins Absurde gab. Ich eilte unter leichtem Unwohlsein um ein warmes Bier, um erst zurückzukommen, als Kracht selbst endlich das Wort hatte.

Er las ohne Mikrophon, und so recht wollte keine Stimmung aufkommen; ich fand nicht hinein in seine Worte, war es 1917 oder 2017, man weiss es nicht. Vielleicht lag es auch an der Clique von Endzwanzigern, stadtbekannt durch etliche Elektronikveranstaltungen; sie kicherten bei jeder halbwegs passenden Gelegenheit recht laut los, ganz offensichtlich bemüht, sich den hippen Abend nicht durch die an sich eher sperrige Handlung des neuen Kracht-Romans zunichte machen zu lassen. Kracht las circa fünfzig, ziemlich lange Minuten, nur unterbrochen von seinen Korrekturen an der offenbar suboptimal sitzenden Tim und Struppi-Lesebrille, und einigen listigen Blicken ins Publikum bei den hippen Zuhörern wohl besonders gelungen erscheinenden Stellen.

Er endete etwas abrupt, vielleicht wollte er seinen Lesern keine rechte Klimax gönnen, signierte dafür aber hinterher noch einigen Lesern geduldig seine Werke. Wir versuchten, den Dichter noch zu einer Expedition ins hyperreale (read: nicht-existente) Leipziger Nachtleben zu überreden, aber nach einer kurzen Plauderei über den Vornamen von Slavoj Zizeks Ehefrau sowie die Rolle eines gewissen Martin Luthers im unheimlichen Madagascar-Plan verabschiedete sich Kracht; früh schon ginge sein Zug nach Göttingen.


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Friday, October 24, 2008

Ein Nutzsignal im visuellen Rauschen: Herburg & Weiland

Mrs Eaves war eine gute Haushälterin. Auch wenn es etwas aus der Mode gekommen ist, Menschen zu bezahlen, damit sie nach dem Rechten sehen und damit alles hübsch ist, wenn einmal Besuch kommt, so war Mrs Eaves doch genau solch ein guter Geist, im Hause des Schriftgießers Baskerville, in einer anderen Zeit [1].

Vielleicht hat sich Mrs Eaves auch manchmal eingemischt in Herrn Baskervilles Geschäfte mit guten Vorschlägen, sicher aber hat sie dafür gesorgt, dass sich Herr Baskerville keine Gedanken über die Tischdecke und das Gebäck machen musste, und seine zahlreichen Gäste sollen immer sehr zufrieden gewesen sein.

Die gestaltende Agentur Herburg & Weiland in München stelle ich mir immer wie eine stille, fürsorgliche und fast weise Haushälterin vor, die heimlich in ihrer Stube eine direkte Leitung zu den Universen des guten Geschmacks und der Stilsicherheit unterhält, jedoch niemals so prätentiös wäre, dies irgendjemanden spüren zu lassen [2]. Alles, was ihr Haus verlässt, sieht auf fast unheimliche Art und Weise gut und richtig aus.


REFERENCES

[1] Mrs Eaves, typeface designed by Zuzana Licko in 1996, licenced by Emigre type foundry.
[2] Herburg & Weiland, Munich, Germany


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Testimony (II)

“testimony |ˈtestəˌmōnē|
noun ( pl. -nies)
—a formal written or spoken statement, esp. one given in a court of law.
—evidence or proof provided by the existence or appearance of something: his blackened finger was testimony to the fact that he had played in pain.
—a public recounting of a religious conversion or experience.
archaic a solemn protest or declaration.
ORIGIN Middle English : from Latin testimonium, from testis ‘a witness.’ ”

On Wednesday, October 8, 2008 around 0850 hours I saw Rainer Brüderle here. He was wearing cheap shoes.

On Sunday, October 12, 2008 around 1525 hours I saw Gesine Schwan here. She had fluffy hair.

I was there.

Thursday, October 23, 2008

German smoke screens

FATE |fāt|
noun
1 the development of events beyond a person's control, regarded as determined by a supernatural power : fate decided his course for him | his injury is a cruel twist of fate.
• the course of someone's life, or the outcome of a particular situation for someone or something, seen as beyond their control : he suffered the same fate as his companion.

DESTINY |ˈdestinē|
noun ( pl. -nies)
the events that will necessarily happen to a particular person or thing in the future : she was unable to control her own destiny.
• the hidden power believed to control what will happen in the future; fate : he believes in destiny.
ORIGIN Middle English : from Old French destinee, from Latin destinata, feminine past participle of destinare ‘make firm, establish.’


At night, tired, in front of a bookshelf in the library, a short discussion with Wall of Time’s sabbatical researcher Dr. David Woodard on a feasible translation for the word «Schicksalszeit». A very Jüngerian subject, of course. Somewhat handwavingly, I argued that neither «destiny time» nor (not at all!) «time of destiny» would capture the German connotations of the word at all.

The more I think of it, the clearer it occurs to me that «Schicksalszeit» is a veritable smoke bomb: As if there would be any other time than the one that is identical to your destiny, your fate. The destiny as in destination and the passing of time are one thing alike, as Dr. Woodard with the more rationale, less aetheric, no-nonsense angle of the English language had grasped immediately.

To me, now, it sounds almost banal to claim such thing as a Schicksalszeit, although Jünger might have felt very superior when introducing the term. Jünger really knew how to drop these irresolvable «Vexierbilder»:

«Der Wechsel von meßbarer und Schicksalszeit verwirrt den Betroffenen. Beide sind schwer unter einen Hut zu bringen, wie im Großen Astronomie und Astrologie, auch Naturwissenschaft und Theologie. Und doch ist das seit jeher möglich gewesen und wird immer wieder möglich sein.»

[The alteration of measurable time and time of fate confuses the involved one. They are difficult to pair, like in the big scale astronomy and astrology, also science and theology. But still it has forever been possible and will always again be possible; translation not by W.o.T.]

It is this side of Jünger which I despise: Jünger getting a bit lost in too big a scenario, not having the clarity of thought, more a feverish sound; like us here at the Wall of Time sometimes, admittedly. It is the sound somebody like Gottfried Benn, for example, did not particularly like, and, in attempting to translate German thought to English lingo, I begin to see why.



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Tuesday, October 21, 2008

72 hours, 18.08.–21.08.2008

«On disappearing. If someone disappears, a sudden spot of emptiness is created, a hole, a little lack of energy. Most times this subtle imbalance is filled, through mechanisms of entropy, within short measures of time.

Sometimes it is—inexplicably—more difficult for us to go ahead, to fill the gap, and to brush over such a sudden imbalance. Two months later, looking back on these three days, you wonder: what is it that makes us register certain losses, and totally ignore others.

Some disappearances are not noticed at all, by nobody. Others are.»

—a friend, in an email, this very morning.


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Sunday, October 19, 2008

Wer jetzt keinen Plan hat

Sonntag ist der ärgste Tag. Arg, das sagten die österreichischen Freunde in London immer, wenn sie meinten, etwas sei full on. Könnte man nicht auch T.S. Eliots über-berühmte Eröffnungszeile des Waste Land am besten mit April ist der ärgste Monat übersetzen? So oder so ist der April noch lange hin.

Kaufen Sie sich schöne Schals für den Winter, holen Sie die Monobloc-Gartenmöbel herein, ringen Sie mit sich selbst, laufen Sie noch einmal durch den Park, bevor die Luft zu kalt für die Lungen wird und die Tage zu kurz zum wirklichen Denken. Sonntag ist der ärgste Tag.



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Friday, October 17, 2008

Autobahn 38

Heute ist ein guter Tag. Denn heute sind es erst genau zwei Wochen, dass wir entlang der Auto­bahn 38 unterwegs waren und uns gefragt haben, was es eigentlich heisst, Tourist zu sein. 7000 Jahre, oder 21 Stunden, oder 600 ge­wund­ene Kilometer lang.

Und bereits heute stellen vebfilm.net, um­blaet­ter­er.de, und wall­of­time.net zusam­men eine erste Ausgeburt dieser Ex­pedi­tion vor:

Der kurze Film “Auto­bahn 38” ist ein 23 Minuten langer Genre-Amok­lauf durch die deutsche Geschichte, von Ost nach West, auf Nietzsches und Luthers und von der Wenses Spuren, immer auf der Jagd nach Bratwürsten oder Rosen oder Einar Schleefs Grab, auf English und Deutsch (erhellend polyglott untertitelt), mit bairisch-spanisch-schwäbisch-russischen Einsprengseln.

Im affektiert unaffektiert (Helvetica, Berlin-Mitte, wenn Sie wissen, was ich meine) gestalteten Produktionsblatt des Films schreiben wir, auf Englisch natürlich:

Why do people visit places where other people were born, lived, fought, or died? What does it mean to be a tourist? […] [C]ombining elements of documentary, mockumentary, travel clip, freestyle, different sub­cult­ures, YouTube chic, and a load of explicit or obscure allusions to German and Western culture [, it] follows a tangential structure. Most of the things are just mentioned or shown briefly, it is more like an index to actual contents. Among others, Gustav II Adolf, Nietzsche, Goethe, Cortázar, Pushkin, and infamous German field marshal von Hindenburg are referenced. There is also room for phan­tas­magoric approaches, like an excessive dialogue about the origin of ABC’s hit series “Lost”.

Die Väter des Filmes Stefan Kluge und Frank Fischer sind strenge Adepten des Creative Commons Li­zenz­ier­ungs­ver­fahr­ens; ich verstehe davon nichts, aber ich glaube, es bedeutet, Sie alle, geneigte Leser und Betrachter, können sich den Film gerne zur Brust nehmen und einen, früher nannte man das:, Remix erstellen. Oder ähnliches. Es kostet jedenfalls alles nichts.

Autobahn 38. Schauen Sie jetzt!

(Zum Aufbewahren in schöner Qualität, 342 MB, bitte hier speichern.)

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