Showing posts with label Editorial Notes. Show all posts
Showing posts with label Editorial Notes. Show all posts

Sunday, December 06, 2009

In search of the miraculous

„Eine je größere Anzahl von freien Entscheidungen sich summiert,
desto mehr verschwindet der freie Wille aus dem Resultat“
Ernst Jünger, Februar 1940, über Tolstois Vorwort zu Krieg und Frieden nachdenkend


Liebe Leser, im Geheimnis leben. Das werde ich im Jahre 2010 wieder verstärkt versuchen. Es geht im Kern um das Schrei­ben ohne Öffent­lich­keit; und um das Herausfinden, ob solches überhaupt möglich ist: Die größten Chronisten, die ich zur Hand habe in meiner Sprache, und die vieles des hier Ge­schrieben­en beeinflusst haben, allen voran die Vielschreiber Jünger und Kempowski – sie haben stets nie nur für sich selbst geschrieben. Aber versuchen muss man es, immer wieder.

Auf die Gefahr hin, nach Botho Strauß und anderen alten Herren, die die Welt nicht mehr verstehen, zu klingen: Öffentlichkeit, und besonders jene hyperreale, imaginierte, ersehnte, die sich innerhalb des Rhizoms mit den IP-Adressen manifestiert, sie ist faul geworden, und sie war es längst, als WALL OF TIME anhob, so richtig, im Frühjahr 2008. Jetzt wird einmal ordentlich geschwiegen, und ephemere Gedanken werden wieder in Dateien gespeichert, statt an Wände gepinselt und mit 140-Zeichen-Projektilen scharf verschossen. Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für Ihre über 25,000-fache Aufmerksamkeit entlang des Wegs. J.O.


PS – Nie tut man irgendetwas ganz allein:


































Tuesday, September 22, 2009

Da die Ereignisse nie aufhören dürfen:

“Weil nichts mehr Sinn hat, muß alles reibungslos funktionieren.”
—Jean Baudrillard

Ein paar Dinge sind geschehen. So findet der große Vorsitzende Guido Wester­welle das 1995 erschienene Buch “Faser­land” von Christian Kracht über einen “jungen Alko­holi­ker” sehr gut, wie er in der Welt­zeitung kundtut. Leider habe ich meinen Wahl­zettel schon ein­ge­tütet.

Außerdem weiss die Süd­deutsche Zeitung Er­staun­lich­es zu berichten; “Amok­läufer handelte aus Hass”. Ist das Strauss, Handke, Franz Josef Wagner?

Währen­dessen hatten wir hier an der Zeitmauer die wesent­lich freudigere Gelegen­heit, dem Künstler Ingo Niermann ein wenig unter die Arme zu greifen bei der Gestaltung einer schlichtest­möglichen Internet­präsenz.

Auch dieser Tage erscheint die dritte Ausgabe des recht neuen Magazins OPAK, zu der ich eine kleine Suada über die nie so recht gelingen wollende “Reise ins Hirn der Finsternis” der Filmschaffenden beisteuern durfte; garniert—zu meiner Freude und Überraschung—mit Photographien des hier bereits öfter erwähnten Hannes Woidich.



Apologies to our readers who prefer our English posts.

Monday, June 22, 2009

Of flags and freedom

—Tehran, GMT +330

No worries: Your beloved literary and fine arts enterprise WALL OF TIME. will not branch out and strive for world domi­nation—but if any opportunity arises to add a few grains of subversion here or a light touch of terribly old-fashioned, out-of-date yet lean hyper­text mark­up language code there, we do what we can.

Very recently, DIE GROSSE FLAGGE, previously announced here, have relaunched their website and we humbly tried to make them look good, hip, old-fashioned, idealistic and nonchalant at the same time.

Note especially how the proto-fascist social network of FACEBOOK is hemmed in and watched over by DIE GROSSE FLAGGE’s 1997-style Frame set.




Dieser Beitrag ist auf Englisch, doch einiges an der Zeitmauer gibt es auch in der hervorragenden Kultur- und Verwaltungssprache Deutsch zu lesen.

Friday, May 15, 2009

Announcement for the upcoming A.P. SEELMANN interview

for immediate release

Fellow time travelers, liebe Zeitmaurer,

Watch out for another full-length and in-depth interview here at the WALL OF TIME for the Time traveler’s wisdom series:

We recently had the pleasure and great honour to chat with Hamburg– and London-based long-time erraticist, well-reputed ecleticist, and social scientist A.P Seel­mann.

Seelmann is an honoury fellow of the German-lingo literary and fine arts house Der Umblätterer, where you can read Seelmann’s erudite and often plain funny endeavours (“Curb your Michelangelo”, “Auf dem Kopf ein Aushilfs-Timoschenko-Flechtwerk”, and the likes) under the battle name Dique.

Stay tuned for the 4-page full-text four-colour portable document format file as well as the complimentary hyper-text markup language version both being available in the tongue of Goethe, Goering and others (German, that is) here from Monday May 18th 0900 hours AM on.

Meanwhile, freel free to check out or previous interviews.


Dieser Beitrag ist auf Englisch, doch einiges an der Zeitmauer gibt es auch in der hervorragenden Kultur- und Verwaltungssprache Deutsch zu lesen — zum Beispiel das hier annoncierte Interview mit dem großen Bildungsforscher A.P. Seelmann.

Wednesday, April 29, 2009

Die Grosse Flagge

“9005, Tiefschwarz; 3020, Verkehrsrot; 1021, Rapsgelb”
—Aus den technischen Spezifikationen für das Corporate Design des Bundeskabinetts


Endlich! Die GROSSE FLAGGE—the previously missing solution to resolve Germany’s haphazard struggle to find identity, meaning and something to disagree with!

Where would this country go without Ingo Niermann, Ralf Pflugfelder, and Erik Niedling? To hell in a handbasket.

Von den Machern der GROSSEN PYRAMIDE kommt jetzt der neue Gesell­schafts­schock­er und Diskurs­rocker DIE GROSSE FLAGGE. Gerhard Richter hat in einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger bereits Abstand genommen—die Pläne zur Errichtung des größten Fahnenmasts der Welt in Berlin als Nationaldenkmal werde an ästhetischer Absurdität nur noch von Rainer Fettings Brandt-Statue annäherend erreicht. Auch droht Richter, seine (die Farbspezifikationen des Bundeskabinetts übrigens missachtende) Schwarz–Rot–Gold-Skulptur im Reichstag eigenhändig zu deinstallieren, sollten Niermann und die FREUNDE DER GROSSEN FLAGGE Erfolg bei der Berliner Jury haben. Wall of Time kann all dem nur uneingeschränkt zustimmen.

Materialien und sogenannte Internet-Auftritte zu den FREUNDEN DER GROSSEN FLAGGE werden unseren Lesern selbstredend nachgereicht.

Thursday, March 12, 2009

Winnenden

for English version please see below

“The human shape is a ghost made of distraction and pain,
Sometimes pure light, sometimes cruel,
Trying wildly to open,
This image held tightly within itself.”

—Rumi, 13th century Persian Sunni mystic

Ein großes Unglück ist geschehen.

Ein großes Unglück ist geschehen in einem Ort, mit dem ich untrennbar verbunden bin. Ein Ort, den ich, auf Krawall gebürstet, als “Schwäbisch-Sibirien” charakterisiert habe zuvor, und anhand dessen ich von der “Flüchtigkeit des Konstrukts Heimat” schrieb.

Ein Ort, von dem ich im weiten Internet vor wenigen Wochen nur ein einziges Bild fand, das ich als lustig und verquer genug, weil so dermaßen un-Winnenden, empfand um meine Suada zu illustrieren; es zeigt einige Rettungskräfte der lokalen freiwilligen Feuerwehr, wie sie bei einer großen Übung in bedrohlich aussehenden Masken und Helmen einen Statisten wegtragen. Ein Ort auch, an dem ich als Kind, genau inmitten der nun Tat-Ort gewordenen Schule und Park, erst mit Staunen einer großen kleinen Übung der lokalen Sicherheitskräfte beiwohnte und alsbald den Schauspielcharakter des Gezeigten langweilig fand.

Ein Ort, den wir in lustvollen und komplexen Verschwörungstheorien stattdessen gerne zum Nabel der Welt hinaufbeschworen, mit Miles Davis’ Schirmherrschaft über den lokalen City-Treff und Usama bin Ladens mittlerweile legendärem Benzindiebstahl im Teilort Schelmenholz, mit Normahls “Winnenden Geisterstadt / abgefuckte Hippiestadt” aus dem Jahre 1979 im Ohr. Ein Ort auch, den der Journalist Lorenz Schröter besuchte, als er über die spielerischste aller Weltenerklärungen, die Hohlwelttheorie, alles erfahren wollte und Winnenden verließ mit der Antwort: “In der Mitte, da ist nichts”.

Es ist alles nur ein Spiel gewesen; alles in Winnenden war immer Spiel, immer Spielplatz, mein Spielplatz, mit allen friedlichen Konnotationen, die das Wort weckt. Heute weiss ich nichts, und die sprudelnden Worte sind nur Worte über den vergangenen Spielplatz Winnenden. Mein echtes Winnenden am Morgen des 12. März 2009 entzieht sich den Worten.

Ein großes Unglück ist geschehen.



English version:

A catastrophe has happened.

A catastrophe has happened at the place from which I cannot separate myself. A place to which I referred in anger once as “Southern German Siberia” and which made me talk about the “fleeting construct of home”.

A place of which, a few weeks ago, I could only find a single image in the wide internet that seemed odd and non-Winnenden enough to illustrate the suada I was about to write; it depicts the local firefighter forces, in harrowing masks and helmets, as they carry a mock injured during a maneuver. It is also the same scenery where I witnessed as a child, quite exactly inbetween the school and park that now have become crime scences, another grande yet small maneuver of the local forces. First I stood in awe, only to become bored all too quickly by the obviously staged character of it all.

It was a place that we enjoyed to turn into the centre of complex conspiracy plots instead, with Miles Davis heading the local summer street festivities, and Usama Bin Laden famously stealing gasoline from a parked car in the Winnenden suburb Schelmenholz, with local punk heroes’ “Winnenden Ghost town / run-down hippie home” ringing in our ears. Journalist Lorenz Schröter even visited this place once to find answers to the most playful of all theories on our planet, the hollow earth theory, and he returned from Winnenden with the answer: “In the middle, there is nothing.”

It all had been simply a game. In Winnenden, everything was playful, it had always been a playground, my playground, including all peaceful connotations such words elicit. Today I know nothing to say, and all the wordy paragraphs here are words on the perished playground of Winnenden. My actual Winnenden on the morning of March 12, 2009, defies any words.

A catastrophe has happened.

Wednesday, March 11, 2009

Poetik der Oberfläche

Pop. Wissen Sie noch? We don‘t need that fascist groove thing, give me—pronto—Amaretto, und all das. Junge (sehr beliebt:) Schnösel sitzen in Hotels herum und so. Ach nein, das war ja viel später. Es ist alles sehr verwirrend, aber das scheint alles Pop zu sein. Und falls Sie nun genauso verwirrt sind wie ich, fahren Sie doch bitte das gesamte Sommersemester hindurch nach Hamburg hinauf und lauschen Sie, was einige unserer führenden Experten auf diesem Gebiet zu sagen haben. Der Wall of Time nicht fremde Topoi der kontemporären Literatur, des Camp und des Gesellschaftsdesigns scheinen dort auf dem sehr schön gestalteten Lehrplan zu stehen. Be there, or be square, wie die Nachbarjungs immer riefen.

POETIK DER OBERFLÄCHEDie deutschsprachige Popliteratur der 1990er Jahre
Chaired by Olaf Grabienski, Till Huber, Jan-Noël Thon
Universität Hamburg, Ringvorlesung am Institut für Germanistik II und im Allgemeinen Vorlesungswesen
Montags 18-20 Uhr, Phil-Turm, Hörsaal D, Kick off 06.04.2009



Apologies to our readers who prefer our English posts.

Sunday, February 08, 2009

On the Eave of Wall of Time’s second year of tenure:

Liebe Zeitmaurer, ich hoffe Sie schätzen ebenso wie wir hier die anmutigen Kapitälchen der Mrs Eaves, wie sie seit ganz neuem unser Ladenschild hier oben zieren.

Der Februar ist ein schwieriger Monat; vielleicht nicht der grausamste, wie es Eliot über den April in die poetische Ewigkeit nagelte, aber ein seltsamer zumal. Vor einem Jahr kehrte die Wall of Time wieder, Anfang Februar des Jahres 2008; sie ändert seitdem fast täglich nicht nur Ihr Antlitz, sondern auch—falls es so etwas gibt—ihre Bestimmung, ihr Wesen, ihren Zweck. Derzeit, wie Ihnen als treuen Lesern nicht entgangen sein dürfte, mäandern wir wieder nach Herzenslust durch die Eschatologie, den magischen Realismus, die Sprachen Englisch und Deutsch sowie alle Mischformen der beiden. Und wir glauben immer noch sehr fest an die bessere Welt.

Wir glauben daran, dass es irgendwo eine Welt gibt, in der Bon Scott auf den Back in Black-Mastertapes singt; in der alle Menschen lustig-unheimliche Affenmasken zu körperschmeichelnden Anzügen tragen, wie es uns der Berliner Stadtaffe derzeit nahelegt; in der Wissenschaft und Wahnsinn, Leid und Humor, Aeropitura und Anti-AKW-Bewegung ein freundlicheres Miteinander pflegen; in der der lächerliche Dualismus von Wort und Bild überwunden sein wird.

Ein subtil erneuertes Ladenschild aus den Kapitälchen der Mrs Eaves, flankiert von einer grotesken Akzidenz, ist da ganz klar—schon wieder—ein Anfang.



Apologies to our readers who prefer our English posts.

Thursday, January 15, 2009

Hannes Woidich: Maschine

Hannes Woidich
MASCHINE
Ausstellung der Diplomarbeit
15.–18. Januar 2009, jeweils von 16.00 bis 19.00 Uhr
Künstlerhaus Dortmund, Sunderweg 1

Hannes Woidich, der mit uns an der Wall of Time letzten Mai ausführlich sprach, stellt nun endlich sein bisheriges Opus Magnum, die Photographien-Serie “MASCHINE”, aus.

Damals sagte Woidich, nach seinen Motiven (sic) befragt:

“Zur Zeit photographiere ich in großen Fabrikhallen Maschinen, alles bei Nacht, die Maschinen stehen still. Wenn man diese Produktionsstätten ruhen sieht, bei Dunkelheit und menschenleer, dann fragt man sich zwangsläufig, was das bedeuten könnte. Ein Leben, das versorgt wird aus irgendwelchen austauschbaren Fabriken, die diese austauschbaren Waren herstellen, die ich dann mit meiner einzigartigen CANON EOS 5d und mit meinem hochwertigen und vorzüglich verarbeitetem Stativ aus Carbon abphotographiere […] Ich photographiere diesen Zerfall auch, weil ich froh um ihn bin.



Apologies to our readers who prefer our English posts.

Tuesday, January 13, 2009

Bekanntmachung

Antje Majewski

“Tanz
RGBCMYK
05 January–31 January 2009

neugerriemschneider
Linienstr. 155
10115 Berlin

Bitte besuchen Sie die Ausstellung der Künstlerin Antje Majewski, wenn Sie einmal in Berlin sein sollten dieser Tage.

Thursday, January 01, 2009

2009: The year we make contact

David Woodard is playing at my house.
Markus Hablizel is playing at my house.
David Byrne and Brian Eno are playing at my house.
Anne Hauswald is playing at my house.
JC Schmiedle is playing at my house.
Stalingrad is playing at my house.
Vera Leirer is playing at my house.
Till Huber is playing at my house.
Ingo Niermann is playing at my house.
Alexandra Ludwig is playing at my house.
Eckhart Nickel is playing at my house.
Minion is playing at my house.
Dresden is playing at my house.
Stefanie Roenneke is playing at my house.
Ramin Assadollahi is playing at my house.
Christian Obermeier is playing at my house.
The dearest colleagues some of whom would hate to be named here are all playing at my house.
Books from Boxes is playing at my house.
Christian Kracht is playing at my house.
The only living boy in NY is playing at my house.
Britta Heumann is playing at my house.
Jens Lekman is playing at my house.
Hölderlin is playing at my house.
Time code is playing at my house.
Frutiger is playing at my house.
Bashir waltzes at my house.
Dick van Dique is playing at my house.
The Darjeeling Limited is playing at my house.
Jean Baudrillard is not playing at my house.
The Editors are playing at my house.
Café Cantona is playing at my house.
The young man who looked so totally lost sleeping in the underpass for a while is playing at my house.
Somebody is playing at my house.
The Dearest Neighbour is playing at my house.
David Lieske is playing at my house. Also, Carsten Jost is playing at my house.
Stefan George is playing at my house.
Peter Handke is playing at my house.
Tina Bauer is playing at my house.
ZERN is playing at my house.
Schloss Wiesenburg is playing at my house.
Josie is playing at my house.
Ca. of MIJULY & CA. is playing at my house.
Lewis is playing at my house.
Paco is playing at my house.
Back surgery is playing at my house.
The Groove Department is playing at my house.
Hoefler is playing at my house.
Hand surgery is playing at my house.
Bine Knauer is playing at my house.
Frank Eisner is playing at my house.
All Frauke Finsterwalder movies are playing at my house.
Max Sebald is playing at my house.
Hannes Woidich is playing at my house.
Olaf Schäfer is playing at my house.
Taxman is playing at my house.
Anne Philippi is playing at my house.
Three friends sadly lost are still playing at my house.
Jens Thiel is playing at my house.
Bloc Party is playing at my house.
Daniel Klemm is playing at my house.
Helvetica is playing at my house.
Jörg Kühnel is playing at my house.
Soulsender.de is playing at my house.
Skins are playing at my house.
My family is playing at my house.
The dead are all playing at my house.

Thank you all for the year we called 2008 here at the Wall of Time.

Wednesday, December 10, 2008

We should be whispering all the time

“You have submitted a proposal to the Electronic Proposal Submission System.
Here are the details of the proposal you have submitted:
Call title : ERC-2008-StG_20091310
Call closure : 10 Dec 2008 17:00:00 Brussels Local Time
Date of submission : 10 Dec 2008
Hour of submission : 15:24:43 Brussels Local Time”

Wenn man lange schweigt, hat man natürlich auch nicht zwangsläufig mehr zu sagen. Das Schweigen ist insofern ein empfunden langes, als die Meldungen und Geräusche in Wort und Bild sekündlich vor meine Bildschirm-Tür hageln. Auch mag ich in den diversen sozialen Netzwerken als sprunghafter Geist mit einer erfolgreichen Taktik aus Statusmeldungs-Sperrfeuer und Blendgranaten-Stakkato berüchtigt sein – zum Denken aber kommt man ja gar nicht mehr. Das fühlt sich, bei Sinnen betrachtet, in zunehmendem Maße als Schweigen an.

Der Brotberuf, wie ihm Benn zwischen zwei Gedichtstrophen nachging, wie ihn Kempowski von sieben Uhr dreißig bis Schulsschluss ausführte, ist mir ein ehrenwerter; wenn man ihm nur mit genügend Tiefgang einige Wochen nachspürt und dem Sog in die Tiefen des Gehirns und entlang der verschlung­enen Pfade büro­krat­isiert­er Forsch­ungs­förd­erung folgt, kann man ungeahnte Belohnung, lange entbehrte Befriedigung erfahren.

Als Schweigen nimmt sich dies zwangsläufig an einer Mauer der Zeit aus; zur Schweigemauer, einer liebenden Mutter des Schweigens wird das einst zur Verbesserung des Rausch– zu Signal-Quotienten eingerichtete öffentliche Notizbuch dann.

Rauschen erlaubt. Schweigen auch. Auf bald, Ihr Zeitmaurer


Apologies to our readers who prefer our English posts.

Saturday, November 29, 2008

Singularity

I hope that nobody will come and visit the Wall of Time, as I type this, in the last minutes of November 29, 2008. I hope so, because statistics indicate that today would then have been the first day (since Wall of Time came to new life in February earlier this year) on which nobody has visited. Now, this is not a bad thing. This is rather a very good thing, finally, something interesting is happening in the overwhelming amounts of senseless statistics a simple and irrelevant literary web-based notebook like this produces, every day. Normally, that is. Today, a big Zero lights up inmidst the steady flow of 28, 37, 106, or 49 visitors we usually witness each and every day, 24/7.

Please, come in, have a look around; but thanks honestly for giving the internet a real sense of space and limits today. A singularity in time and space, a zero with a smile. Speak soon, dear visitors, here at the Wall of Time.

Dieser Beitrag ist auf Englisch, doch einiges an der Zeitmauer gibt es auch in der hervorragenden Kultur- und Verwaltungssprache Deutsch zu lesen.

Sunday, November 16, 2008

The lab has opened

Just an editorial side note from Washington, DC: There’s more to life than science, you know, but not much more.

Monday, November 10, 2008

Friday, October 17, 2008

Autobahn 38

Heute ist ein guter Tag. Denn heute sind es erst genau zwei Wochen, dass wir entlang der Auto­bahn 38 unterwegs waren und uns gefragt haben, was es eigentlich heisst, Tourist zu sein. 7000 Jahre, oder 21 Stunden, oder 600 ge­wund­ene Kilometer lang.

Und bereits heute stellen vebfilm.net, um­blaet­ter­er.de, und wall­of­time.net zusam­men eine erste Ausgeburt dieser Ex­pedi­tion vor:

Der kurze Film “Auto­bahn 38” ist ein 23 Minuten langer Genre-Amok­lauf durch die deutsche Geschichte, von Ost nach West, auf Nietzsches und Luthers und von der Wenses Spuren, immer auf der Jagd nach Bratwürsten oder Rosen oder Einar Schleefs Grab, auf English und Deutsch (erhellend polyglott untertitelt), mit bairisch-spanisch-schwäbisch-russischen Einsprengseln.

Im affektiert unaffektiert (Helvetica, Berlin-Mitte, wenn Sie wissen, was ich meine) gestalteten Produktionsblatt des Films schreiben wir, auf Englisch natürlich:

Why do people visit places where other people were born, lived, fought, or died? What does it mean to be a tourist? […] [C]ombining elements of documentary, mockumentary, travel clip, freestyle, different sub­cult­ures, YouTube chic, and a load of explicit or obscure allusions to German and Western culture [, it] follows a tangential structure. Most of the things are just mentioned or shown briefly, it is more like an index to actual contents. Among others, Gustav II Adolf, Nietzsche, Goethe, Cortázar, Pushkin, and infamous German field marshal von Hindenburg are referenced. There is also room for phan­tas­magoric approaches, like an excessive dialogue about the origin of ABC’s hit series “Lost”.

Die Väter des Filmes Stefan Kluge und Frank Fischer sind strenge Adepten des Creative Commons Li­zenz­ier­ungs­ver­fahr­ens; ich verstehe davon nichts, aber ich glaube, es bedeutet, Sie alle, geneigte Leser und Betrachter, können sich den Film gerne zur Brust nehmen und einen, früher nannte man das:, Remix erstellen. Oder ähnliches. Es kostet jedenfalls alles nichts.

Autobahn 38. Schauen Sie jetzt!

(Zum Aufbewahren in schöner Qualität, 342 MB, bitte hier speichern.)

Apologies to our readers who prefer our English posts.

Monday, September 01, 2008

Was bleibt: Bunter Staub

Datumsmystik, eine Spezialität an der Wall of Time: 01. September 2008 (–69) 01. September 1939 (+5) führt uns zu

«Saint-Dié, 1. September 1944
Abends Lektüre des Buches von Filon über die Kaiserin Eugenie. Dazu hallten Gewehrschüsse vom nahen Kempberg, der schon Maquis geworden ist. Ich richtete das Häuschen, in dem ich mit dem Feldwebel Schröter wohne, zur Verteidigung ein, so wie man sich eines alten, halbvergessenen Handwerks entsinnt.
Im Traum durchschritt ich eine herrliche Stadt, die allen mir bekannten an Eleganz weit überlegen war, weil altchinesische Formen sich mit den europäischen vereinigten. Ich sah die Gräberstraße, den Markt, die Hochhäuser aus rotem Granit.
Wie häufig bei solchen Wanderungen sammelte ich auch einige Käfer in die Ätherflasche ein. Als ich sie leerte, um die Beute zu betrachten, fielen mir zwei oder drei Tiere auf, die ergriffen zu haben ich mich nicht erinnerte, darunter eine karneolrote Anoxia, die fast durchsichtig war. Erwachend entsann ich mich jedoch, daß ich sie vor einigen Nächten während eines anderen Traumes in die Flasche geworfen hatte, und erstaunte darüber als über einen auf merkwürdig konkrete Weise in diese Welt hereinragenden Zug.
Übermorgen werde ich nach Hannover fahren; der Stab des Militärbefehlshabers löst sich auf.»

(Ernst Jünger, Kirchhorster Blätter)


Was bleibt, ist BUNTER STAUB: Buchvorstellung des neuen Deconstructing Jünger-Bandes, hrsg. von Alexander Pschera, mit David Woodard u.a. am 28. September 2008 auf Schloß Neuhardenberg

Apologies to our readers who prefer our English posts.

Tuesday, August 12, 2008

Letter to the editor

«Heißa, Wall of Time,
Habe über die London-Connection von Eurem Versuch gehört, eine Performance aus Versatzstücken von Kafka (“Die Elektrische”), bisschen Futurismus, Bewegungen im Raum und so, eins werden mit der Rennmaschine, plus bisschen Fauser–Bukowski-Dreckfressen-Style hinzubekommen. Und was ist es geworden? Super-profaner Radunfall, höre ich, Flosse gebrochen. Na, dann macht mal bisschen Pause, statt hier gegen die Zeitmauer zu heizen die ganze Zeit. Und, vergesst doch den alten Schmitt: Souverän ist nur, wer über seine Knochen verfügt! Gute Genesung wünscht

Thiago Rockenburg da Lopez
C.E.O. Lauter Leben GbR
Charlottenstr. 57, 10117 Berlin, Germany»

—Danke, Thiago.

Sunday, July 13, 2008

Franz jagt im völlig verwahrlosten Hypotaxi durch Deutschland

Während diese Buchstaben an einem Sonntag im Juli vermittels einer Tastatur (designed in California) auf einem Eiermann-Tisch, das stete Hämmern lässt ihn sanft sich aufschwingen, zu Ihnen finden, werde ich eine Trajektorie von einer Küche im Osten, durch die kaum zerbombte Innenstadt zu einem grotesk überdimensionierten Bahnhof in einen vielleicht frisch gewarteten Hochgeschwindigkeitszug (jetzt neu! seit Paul Virilio: mit Hochgeschwindigkeitskatastrophen!), sodann in und durch die Stadt des Feuersturms, des Pudels, der goldenen Erinnerungen, des großen Steuermanns mit den Menthol-Zigaretten, und dann weiter im adrenalin-unterfütterten Zick-Zack eines angeschossenen Hasen, mit Schrot in den Bandscheiben, zurück nach Osten, nach Norden, an die Brandung eines unheimlich dräuenden Meeres, für Sie die monumentalen Segnungen der Kraft durch Freude-Ingenieure betrachtend, beschreiben.

Ich stehe ein weiteres Mal in Staunen und Dankbarkeit vor den grammatikalischen Möglichkeiten meiner Muttersprache und wünsche Ihnen gute Erholung.



Apologies to our readers who prefer our English posts.

Tuesday, July 08, 2008

Blätternde und Steinerne

Kürzlich rief mich mein Freund, der peruanische Schamane Cristiano Gran Sonq, aus seiner Eremitage im Berner Oberland an; ich müsse unbedingt mich mit der hervorragenden Seite umblaetterer.de in Verbindung setzen; ein Maulwurf, das Wappentier der Erratiker und Eingeweihten, fände dort einen prominenten Platz im Logotyp, und überhaupt sei dies eine ganz erstaunliche und erwähnenswerte Publikation, die noch dazu in Leipzig beheimatet scheine.

Sofort erinnerte mich der Titel natürlich an diese heroischen Versuche findiger Ingenieure, alte Bücher und Zeitungen zu restaurieren, indem man—unvorstellbarerweise—eine gedruckte Seite in der Fläche spaltet, als wolle man nachschauen was eigentlich in den Blättern statt stets nur auf ihnen zu finden ist an Geheimnissen.

Tatsächlich blättern die Freunde aber in den alten Zeitungen und ihren Archiven, und legen eine Art schlauen Tiefpassfilter an die gehetzte und sich selbst karzinogen reproduzierende Welt der Feuilletons und Medienschaffenden an: Ein FAZ-Artikel aus dem Jahre 2003 kann gerade heute vielleicht seine Qualitäten offenbaren, wenn er gut an der Zeit sich abgehangen hat.

WALL OF TIME wird all dem nachgehen, denn in der Tat scheinen dort bei den Blätternden einige, den Topois der Zeitmauer nicht völlig verschlossene und, im Gegenteil, höchst (im Wortsinne) inspririerte Geister am Werk.

Bleiben Sie uns also gewogen, auch in diesen dürren, traurigen und steinernen Tagen. Und bis dahin blättern Sie doch ein bisschen.

Apologies to our readers who prefer our English posts. Greek declinations in this contribution are brought to you courtesy of C.O. from the Bavarian Front Disco.